Glockensanierung

Bereits 1999 wurden aufgrund von Rissen im Langhaus der Morizkirche Messungen am Glockenstuhl vorgenommen. Einschlägige DIN-Normen sind nicht erfüllt und schwingungsreduzierende Maßnahmen erforderlich. So das Ergebnis der damaligen Untersuchung. Des Weiteren wurde der Kirchengemeinde empfohlen, zusätzliche Glocken einzubauen, um den historischen Bestand zu schonen. Damit wäre dann auch ein harmonisches Zusammenspiel der Glocken möglich.

Während der Weihnachtsfeiertage 2002 brach der Klöppel der Christusglocke, unserer größten Glocke. Restaurierungsmaßnahmen wurden somit unausweichlich. Die Hauptarbeiten fanden in den Jahren 2003 bis 2004 statt, der Abschluss zog sich aber bis ins Jahr 2005.




Glocken und Glockenstühle vor der Sanierung
Beschreibung des historischen Bestandes:

Im Turm der St. Moriz Kirche befinden sich 5 Glocken, die allesamt unter Denkmalschutz stehen.

Die "Zwölfeglock" -Christusglocke- (unten rechts) wiegt 2.210 kg und hat einen Durchmesser von 150 cm. Sie wurde 1419 von einem unbekannten Meister gegossen.

Die "Elfeglock" -Marienglocke- (unten link)) wiegt 840 kg, bei einem Durchmesser von 110 cm. Sie wurde 1659 von der Rottenburger Glockengießerei Rosier hergestellt.

Ebenso die "Neuneglock" -Mauritiusglocke- (oben rechts) mit ihrem Gewicht von 425 kg bei 91 cm Durchmesser.

Auch die Engelglocke (oben mitte) stammt von der Glockengießerei Rosier. Sie hat ein Gewicht von 170 kg bei 65 cm Durchmesser und stammt aus dem Jahr 1683.

Das Scheideglöcklein (oben links) ist mit ihren 65 kg und 48,5 cm Durchmesser die kleinste Glocke, aber auch die Älteste. Ihre Herstellung wird auf das 14. Jh. geschätzt.


Restaurierungsmaßnahmen:

Alle historischen Glocken erhielten neue Armaturen, wie Holzjoche aus massivem Eichenholz, neue Klöppel aus weichem Schmiedeeisen und Stahlobergewichte (7) zur Erzielung der vorgeschriebenen Läutewerte sowie elektronisch geregelte Läutemaschinen.

Bei der "Zwölfeglock" musste ein neues Klöppelhängeeisen eingeschweißt (1) werden.

Die "Elfeglock" oder Marienglocke wurde an den ausgeschlagenen Stellen des inneren Schlagrings erneuert (2). Während der Restaurierungsarbeiten stellten sich weitaus größere Schäden heraus, als bei der ersten augenscheinlichen Prüfung erkennbar waren. Es wurde ein Riss mit einer Länge von 1,4 m festgestellt. Der Riss ging jedoch nicht vollständig durch die Glockenwand, so dass die Glocke bis zum Zeitpunkt der Herabnahme noch eine gewisse Resonanz aufwies.

Die Engelsglocke wurde ebenfalls an den ausgeschlagenen Stellen des inneren Schlagrings restauriert. Des Weiteren wurde ein neu gegossener Kronenarm angebracht (3).

Zwölfeglock, Elfeglock und die Engelsglocke wurden ausgbaut und zur Reparatur ins Glockenschweißwerk der Fa. Lachenmayer nach Nördlingen transportiert.


Glocken vor der Sanierung:


Christusglocke

Marienglocke

Mauritiusglocke

Engelsglocke

Scheideglöcklein
Die neuen Glocken:

Zur weiteren Entlastung des historischen Bestandes und zur Harmonisierung des Geläutes wurden zwei zusätzliche Glocken samt neuem Glockenstuhl am jetzigen Standort (4) des Scheideglöckleins eingebaut. Der historische Glockenstuhl bliebt dabei erhalten.

Die neuen Glocken haben ein Gewicht von 470 kg und 330 kg bei einem Durchmesser von 900 mm und 800 mm. Die kleinere der beiden Glocken wird zu Ehren von St. Georg geweiht, die Größere zu Ehren von Eugen Bolz.

Das Scheideglöcklein wurde samt Glockenstuhl an einen neuen Standort (5) versetzt.





Eugen-Bolz-Glocke

St. Georgsglocke

Glocken nach der Sanierung


Christusglocke

Marienglocke

Mauritiuslocke

Engelsglocke

Scheideglöcklein

Sanierung der historischen Glockenstühle

Mit der Glockensanierung wurden auch folgende Schäden an den historischen Glockenstühlen behoben:

  • Beim Läuten der Christusglocke und der Marienglocke bewegten sich die äußeren Steben nach oben. Sie waren nur durch Holznägel mit dem Gurtbalken verbunden. Zusätzliche Stahlbänder wurden angebracht.
  • Der nördliche Bock der Engelsglocke zeigte Verschiebungen an den Einbindungen der diagonalen Streben und Verschiebungen der nachträglich aufgesetzten Stütze des Holzkopfes. Auch hier wurden zusätzliche Verbindungen angebracht.
  • Beim Bock des Scheideglöckleins (kleinste und älteste Glocke) war das Kopfholz, das als Lagerholz der Glocke dient, zu stabilisieren.
  • Fäulnisstellen am oberen Glockenstuhl wurden beseitigt.


Über die nachfolgenden Bildergallerien


können Sie alle Bauabschnitte, Glockenguss und Glockenweihe nochmals nachverfolgen.
Viel Vergnügen !

  1. Die Glockenstühle in der oberen und unteren Glockenstube im ursprünglichen Zustand
  2. Ausbau und Abtransport der Christusglocke, der Marienglocke und der Engelsglocke
  3. Guss der Eugen-Bolz-Glocke und der St. Georgsglocke bei der Fa. Bachert im Werk Karlsruhe
  4. Glockenweihe
  5. Hochziehen der beiden neuen und der drei restaurierten historischen Glocken
  6. Bau des neuen Glockenstuhls für die Eugen-Bolz-Glocke und die St. Georgsglocke
  7. Transport der Georgsglocke, der Eugen-Bolz-Glocke und der Engelsglocke von der unteren in die obere Glockenstube
  8. Glockeneinbau
  9. Erstes Läuten und Abnahme der Glocken


Broschüre zur Glockensanierung und Glockenweihe

Zur Glockenweihe am 19. September 2004 hat die Kirchengemeinde eine Glockenbroschüre herausgegeben, mit vielen Details, über die historischen Glocken, über die neuen Glocken und deren Patrone sowie zum Sanierungsverlauf.

Diese Broschüre kann beim Pfarrbüro der St. Moriz Gemeinde in Rottenburg käuflich erworben werden und kostet 3,00 Euro. Die genaue Adresse finden Sie unter den "Kontakten" dieser Internetseite.

Alle Interessierten, die nicht unbedingt regelmäßig am Pfarrbüro vorbeikommen (können), haben die Möglichkeit diese Broschüre hier (PDF Datei, 1 MB) zu lesen. Für die Überweisung des Unkostenbeitrages in Höhe von 2,00 Euro (gerne auch etwas mehr)

auf das Spendenkonto
Kto-Nr.: 2008 165 bei der
Kreissparkasse Tübingen
Blz 641 500 20


wäre die Kirchengemeinde dankbar. Bitte geben Sie "Glockensanierung" als Verwendungszweck an. Damit ist sichergestellt, dass Ihr Beitrag ausschließlich hierfür verwendet wird.


Die Kosten

Für all diese Maßnahmen waren ursprünglich im Finanzierungsplan des Verwaltungsaktuariats 90.000 Euro veranschlagt. Davon ca. 54.000 Euro für die dringende Restaurierung der drei historischen Glocken und Glockenstühle inklusive neuer Armaturen, wie Klöppel, Holzjoche, Gegengewichtsplatten und die Anpassung der Läutemaschine. Der Rest fiel auf die neuen Glocken mit Glockenstuhl, Armaturen, Läutemaschine usw. (ca. 27.000 Euro), die Handwerkerkosten, Kosten für den Transport, statische Berechnungen usw..

Unvorhersehbar kamen Kosten für die Reparatur eines Risses in der Marienglocke hinzu, die Ausgaben für Bauhelfer waren höher als erwartet und neue Stromleitungen für die Steuerung der Läuteanlage mussten verlegt werden.

Letztendlich betrugen die Gesamtkosten ungefähr 125.000,-- Euro.

Finanziert werden müssen diese Kosten zu einem großen Teil über Spenden. Die Kirchengemeinde St. Moriz bittet deshalb um Ihre Unterstützung.